Gemeinwesen – Orientierung in der Jungenarbeit

Das Aufwachsen von Jungen verschiedener Herkunft in der Gemeinde haben wir mit den Jungen dialogfähig und darstellbar gemacht: Die Orte der Anerkennung, die Drucksituationen, Orte der Diskriminierung, Belastungen, Risiken, ungleiche Lebenslagen und Strategien der Lebensbewältigung.

2.1. Verbindung von informellen und formalen Bildungsorten & Sprachräumen

Die Verbindungen von informellen und institutionalisierten Lernorten und Bildungsorten und von Sprachräumen in Familie, Nachbarschaft, Peergroups, Wohnumfeld, Schulweg, Schule, Vereine haben wir mit den Jungen thematisiert einerseits für Selbstaufklärung und Selbstbewusstsein, andererseits für den Dialog über das Aufwachsen von Jungen und Mädchen in der Gemeinde. Ihre Erfahrungen mit der Mehrsprachigkeit und den interkulturellen Beteiligungen im Gemeindeleben waren und bleiben bedeutsam und mitteilenswert.
Der Zugang über den (Grund-) Schulsprengel, v.a. die Klassenstufe vier, war wichtig, weil hier milieuübergreifend geschaut und gehandelt werden konnte.

Mit unserem Ansatz von Innovationsforschung ist deutlich geworden, was im System von Organisationen und Fachkräften geschieht, wenn die auf Zeit und Sicht angelegten Methoden, die fachlich begründeten Qualitätsstandards und die "sozialen Erfindungen" erprobt werden: Was kann (wie) funktionieren? Wo sind Probleme, Potenziale, Unterstützungen, Ausblendungen, Hemmnisse (erkannt worden)?

Wir konnten dafür an vorherigen Maßnahmen (Kinderteilhabeprojekt, Kinder- und Jugendforum, Bildungsoffensive vor Ort) anknüpfen und die Erfahrungen, Entwicklungen, Perspektiven und Erkenntnisse einbeziehen: Für Einordnungen und Einschätzungen von Kontinuitäten und Brüchen, von Konstanz und Fluktuation. Für die Verstetigung, Vertiefung und Verbreitung von Innovationen, für die Umsetzungen von dem Lernen am Modell für eine veränderte Praxis der Regeldienste und für die soziale Nachhaltigkeit werden diese Aspekte wichtig bleiben. Die Kraftfelder und Kriterien der Übertragbarkeit sind vor diesem Hintergrund besser zu klären und (werden noch eingehender) zu diskutieren sein.

2.2. Aufmerksamkeit und Anerkennung für Selbstwertgefühl von Jungen

Direkt mit den Jungen sind aufsuchende und attraktive Methoden eingesetzt und erprobt worden. Die Aufmerksamkeit und Anerkennung für (mehr) Selbstwertgefühl von Jungen sind thematisiert und gefördert worden. Der Dialog mit den und zwischen den Jungen war zentral für ein tieferes wechselseitiges Verstehen von (alltäglichen) Anforderungen und den ungleichen Erfahrungen von Differenz und Dominanz. Ein solches Einlassen auf den „Eigensinn“ der Jungen und solche Klärungen bleiben für die Veränderungen von Verhalten und Verhältnissen und für die eingehenden Verständigungen mit pädagogischen Fachkräften, Eltern und Geschwistern, in den Peergroups und Schulklassen der Jungen und auch in den Vereinen und in den (Glaubens-) Gemeinschaften wichtig.

2.3. Handlungsfähigkeit für Empowerment und Einmischung

Weil es um die individuelle und gemeinschaftliche Handlungsfähigkeit geht, waren weitere Schritte zu erproben: Die Erfahrungen mit Raumaneignung, Räume erkennen und schaffen für „Probehandeln“ („Proben auf die Wirklichkeit“) für sinnvolle (Um-) Gestaltung sowie für (mehr) Empowerment und Einmischung. Ideen, Impulse und Beiträge für ein auch in künstlerischer Hinsicht ambitioniertes und beachtliches Teilhabeprojekt Streetart plus Openair Ausstellung mit einer nächtlichen Illumination (März 2013) wurden eingebracht. Fotorealistische Exponate von Jungen konnten im öffentlichen Raum gezeigt und gewürdigt werden mit einer Ansprache der Ersten Bürgermeisterin bei der Vernissage und Presseberichten mit Bildern.

Weitere Entwicklungsprojekte z.B. für kreative Raumaneignung sind angeregt und einleitet worden. Das künstlerische Teilhabeprojekt, das mit den Jungen begonnen wurde, hat zugleich auch den Mädchen den Raum für ihre Ideen und Produktionen eröffnet. Dafür setzten wir eigene zusätzliche Mittel für die Genderpädagogik ein, welche die jungen- und mädchenspezifischen Ansätze konzeptionell programmatisch und methodenintegrativ verbindet für eine Qualitätsentwicklung und Qualifizierung von Koedukation im Sozialen Raum.

2.4. Qualitätsentwicklung und Qualifizierungen für Soziale Nachhaltigkeit

Ein regionaler Austausch von (Praxis-) Erfahrungen von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen und weitere Anstrengungen werden erforderlich sein für eine Qualifizierungsoffensive für die Jungenarbeit von und mit Jugendhilfe und Schule.